Geschichte der Verbandsgemeinde Obere Kyll
Im äußersten Nordwesten von Rheinland-Pfalz und dem Landkreis Daun, im Herzen der Vulkaneifel liegt, unweit der belgischen Grenze die Verbandsgemeinde Obere Kyll.
Hier, wo vor Jahrmillionen Vulkane aktiv tätig waren und eine abwechslungsreiche Mittelgebirgslandschaft (400 bis 654 ü.NN) hinterlassen haben, findet man heute Natur pur und ein gesundes Klima.
Alljährlich zieht es viele Gäste, insbesondere aus den Ballungszentren der rheinischen Großstädte und den Niederlanden zur Kurzweil und Erholung ins Obere Kylltal. Die herrlichen Mischwälder, vornehmlich Buche und Fichte, mit einem gut ausgebauten Wanderwegenetz laden zu erholsamen Wanderungen und kleineren Spaziergängen ein. Das ständig wechselnde Landschaftsbild der Mittelgebirgslandschaft mit ihren kleinen Dörfern, touristischen Highlights und die Landschaftsbesonderheiten der Vulkaneifel garantieren dem Feriengast Erholung pur.
Der Name der Verbandsgemeinde Obere Kyll wurde hergeleitet vom Flüsschen Kyll, das im Grenzbereich zu Belgien entspringt. Zur Verbandsgemeinde Obere Kyll mit derzeit rund 10.000 Einwohnern gehören die Ortsgemeinden Birgel, Esch, Feusdorf, Gönnersdorf, Hallschlag, Jünkerath, Kerschenbach, Lissendorf, Ormont, Reuth, Scheid, Schüller, Stadtkyll und Steffeln.
Die Größe der Gemarkungsfläche beträgt rund 140 qkm mit einem stattlichen Waldflächenanteil von rund 30 %. Die gesamte Verbandsgemeinde ist im Naturpark Nordeifel - Hohes Venn bzw. Vulkaneifel gelegen. Kleinere Natur- und Landschaftsschutzgebiete sind ausgewiesen in Esch, Feusdorf, Gönnersdorf, Lissendorf und Stadtkyll. Die Ortsgemeinde Stadtkyll mit rund 1.700 Einwohnern ist staatlich anerkannter Luftkurort. Der Ortsgemeinde Jünkerath wurde die offizielle Anerkennung als Erholungsort ausgesprochen. Neben den beiden Gemeinden sind anerkannte Fremdenverkehrsgemeinden die Orte Esch, Feusdorf, Lissendorf, Ormont, Reuth, Schüller und Steffeln.
Das Obere Kylltal kann auf eine wechslungsvolle und lebhafte Geschichte zurückblicken. Bereits die Römer hatten um 300 n.Chr. ein Kartell in Icorigium, dem heutigen Jünkerath, an der römischen Heerstraße von der Mosel bis nach Aachen. Die seit 1687 produzierende Eisenhütte erlebt mit der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts einen Aufschwung sondersgleichen. Eifeler Eisen hatte Jahrhunderte lang im westlichen Europa den besten Ruf. Jünkerath ist bis heute Standort der Eisenindustrie. Heute ist die Demag Ergotech der größte Arbeitgeber an der Obere Kyll.Im Jünkerather Eisenmuseum wird der Besucher sehr ausführlich über die ehemals wirtschaftliche Bedeutung der Eisenerzverhüttung für die Region aufgeklärt. Ausgestellt sind einige Exponate aus keltischer und römischer Zeit, eine exquisite Sammlung von Taken-, Ofen- und Kaminplatten, dazu eine schöne Sammlung von Gußöfen und Gebrauchsgegenständen. An weiteren besonderen Sehenswürdigkeiten sind die Marienkapelle "Auf Wahlhausen" in Steffeln, das Euro-Mühlen-Center in Birgel mit historischer Wassermühle und der ältesten Senfmühle Europas sowie in Jünkerath-Glaadt die alte Schloßruine zu nennen.
Das Freizeitangebot reicht von Angelmöglichkeiten in der Kyll und in den Stauseen Jünkerath und Stadtkyll sowie am Freizeitzentrum "Kronenburger See" über sportliche Aktivitäten auf den Sportanlagen in Gemeinden, den Tennisanlagen in Jünkerath, Lissendorf und Stadtkyll (Tennis und Squash-Center) sowie dem Waldfreibad in Stadtkyll und dem Hallenbad in Jünkerath. Neu im touristischen Angebot ist der Kylltalradweg entlang der Kyll von der Quelle bei Losheim/Scheid bis nach Trier.
Das Obere Kylltal, die nordwestlichste Ferienregion der Vulkaneifel, bietet naturhistorisch bedeutende Sehenswürdigkeiten. Eine Besonderheit ist der Vulkangarten in Steffeln, ein einzigartiger geologischer Aufschluss mit faunistischen und botanischen Raritäten. Durch jahrelange Lava-Abbautätigkeit freigelegt, gewährt der Rundgang dem Besucher bemerkenswerte Einblicke in das Innere eines Vulkans. Mit dem Eichholzmaar nördlich von Steffeln besitzt das Obere Kylltal eines von zehn wassergefüllten Maaren der Vulkaneifel.
An schulischen Einrichtungen befinden sich je eine Grundschule in Lissendorf und Stadtkyll sowie eine Grund- und Regionale Schule (Graf Salentin Schule) in Jünkerath. Alle Schulen verfügen über großzügige Sporthallen. In Steffeln ist in privater Trägerschaft die Akademie für bildende Kunst Vulkaneifel vorhanden. Moderne und zeitgemäße Kindergärten und Kindertagesstätten werden vorgehalten in Esch, Hallschlag, Jünkerath, Lissendorf und Stadtkyll.
In der Landwirtschaft wird neben der vorherrschenden Weidebewirtschaftung insbesondere im südlichen Teil verstärkt Ackerbau betrieben. In diesem Bereich hat sich in den letzten 40 Jahren ein enormer Wandel von Nebenerwerbslandwirten zu Haupterwerbslandwirten vollzogen. Heute gibt es in jeder Gemeinde hauptsächlich nur noch einige leistungsfähige Großbetriebe.Neben der Sicherung und dem Erhalt der vorhandenen Arbeitsplätze ist vor allem die Schaffung neuer Erwerbsmöglichkeiten vornehmste Aufgabe der verantworlichen Gremien. So wurden in den vergangenen Jahren neue Gewerbeflächen in Hallschlag, Jünkerath, Lissendorf und Stadtkyll ausgewiesen und erschlossen. Neben der bereits erwähnten Demag Ergotech sind folgende Großbetreibe angesiedelt: ein Unternehmen für internationalen Reifengroßhandel + Logistik in Gönnersdorf und Recyclingsystem in Jünkerath, eine Fleischwaren- und Konservenfabrik in Lissendorf sowie ein bedeutendes Holz- und Sägewerk in Stadtkyll. Hier hat sich im neuen Gewerbegebiet "Auf Zimmers" ein Asphalt-Misch- und Betonwerk angesiedelt. Kleinere Handwerks-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe ergänzen das Arbeitsplatzangebot. Dennoch sind viele Menschen auf auswärtige Arbeitsplätze angewiesen und pendeln täglich in den Großraum Köln-Bonn. Neuen Technologien steht man von verantwortlicher Seite bereits seit Jahren aufgeschlossen aber kritisch-verantwortungsbewusst gegenüber. So wurden im Bereich der erneuerbaren Energien in den letzten Jahren 53 Windkraftanlagen in Hallschlag, Ormont, Reuth und Scheid (Windpark Hocheifel) errichtet. Weitere 9 Anlagen sind in Planung bzw. im Bau. Die Anlagen liegen bei einem Leistungsvolumen von 300 bis 2.000 kWh.
Im Bereich des Tourismus haben sich die Verbandsgemeinde Obere Kyll und die nordrhein-westfälische Gemeinde Dahlem bereits 1971 frühzeitig im Verkehrsverein "Erholungsgebiet Oberes Kylltal" zusammengeschlossen. Der Tourismus ist heute wirtschaftlich einer der wichtigsten Faktoren in der Region. Reizvoll in die Landschaft eingebunden sind Ferienparks in Stadtkyll und Kronenburg. Von Vereinen und Gruppen sehr gut angenommen, steht in Stadtkyll ein Waldjugendcamp mit 16 beheizbaren Blockhütten mit je 8 Schlafplätzen zur Verfügung. Campingplätze sind vorhanden in Hallschlag, Ormont, Stadtkyll und Steffeln-Lehnerath. Im "Erholungsgebiet Oberes Kylltal" werden im Jahr rund 400.000 Übernachtungen registriert; hierfür stehen 2.900 Gästebetten zur Verfügung.
Neue Attraktion ist der Kylltalradweg, der von Hallschlag bis zur Mosel führt. Die Kyll, einer der größten Eifelflüsse, entspringt mit mehreren Quellen im Losheimer Wald an der deutsch-belgischen Grenze in einer Höhe von rund 658 m. Bis zur Mündung in die Mosel bei Trier hat der Fluss rund 142 km zurückzulegen und ein Gefälle von 540 m. Für Radelfans bieten die Ferienregionen der Eifel eine parallele Radstrecke entlang des Flusses von der Quelle bis zur Mündung an.
Verkehrlich ist die Region gut angebunden: Die Autobahnen A 1 und A 60 sind innerhalb weniger Minuten mit dem Pkw zu erreichen und die gut ausgebaute B 51 durchläuft die Region. Der Verkehrslandeplatz Dahlemer Binz ist nur ca. 10 km von den größeren Orten entfernt. Die Bahnstrecke Köln-Trier durchläuft die Verbandsgemeinde von Nord nach Süd. Die Bahnhöfe in Jünkerath und Lissendorf garantieren die Anbindung an das Schienennetz.
Weitere Informationen:
Verkehrsverein Oberes Kylltal
Burgberg 22
54589 Stadtkyll
Telefon: (06597) 2878
Fax: (06597) 4871
E-Mail: obereskylltal(at)t-online.de
Web: www.obereskylltal.de

